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Jüdisches Erbe in Budapest



Das Los des Juden - und Ungartums ist seit dem frühen Mittelalter untrennbar miteinander verbunden. Die meisten Kapitel der gemeinsamen Geschichte sind sehr finster, sonnige Zeiten gab es nur für eine kurze Periode: die großartigen Jahrzehnte, die auf die Gründung der Stadt folgten, versprachen völlige Assimilation für die Juden. Die erfolgreiche Modernisierung von Budapest ist größtenteils dem gewaltigen Eifer und Organisationstalent jüdischer Industriellen zu verdanken. Eine große Zahl bestehender Denkmäler und Bauwerke zeugen heute noch davon. Das jüdische Museum erinnert an die konfessionellen Traditionen, das Holocaust-Zentrum -eröffnet im Jahre 2004-, mahnt an die Gräuel. Nach 1990 begann eine wahrhafte Renaissance der jüdischen Kultur in Budapest. Budapest ist die Heimatstadt der größten jüdischen Gemeinde in Osteuropa, die ihre konfessionellen, kulturellen und historischen Traditionen hegt und pflegt. Die Zahl der Budapester jüdischen Abstammung, die sich vollständig zum Ungartum bekennen, aber ein reges Interesse für die Geschichte ihrer Ahnen zeigen, dürfte weit höher liegen.

 

WENN WIR ZEIT FÜR EIN EINZIGES GEBÄUDE HABEN

Die große Synagoge und das Jüdische Museum (VII. Dohány utca 2-8.)
Verkehr: Metro, Astoria
Das Gotteshaus wurde im Jahre 1859 in neumaurischem Stil erbaut. Es  ist die größte, heute wirkende Synagoge Europas. Ihre beiden Zwiebeltürme ragen knapp über 43 Meter in die Höhe. Der Innenraum wurde mit Flachdecke ausgestattet, und bietet Platz für beinahe dreitausend Gläubige. Im Parterre befinden sich 1497 Sitzplätze für Männer, oben im Frauenstand 1472 für Frauen. Das Hauptschiff wurde mit einer Gusseisenüberbrückung erbaut, und weist eine Spannweite von 12 Metern auf. Ursprünglich wurde die Synagoge zwischen Wohnhäusern errichtet. In einem von diesen wurde der Schriftsteller und Journalist, Tivadar Herzl, Gründer der zionistischen Bewegung geboren. 1931 wurde die Wandelhalle zusammen mit der Heldenkirche erbaut. Letztere fasst 250 Personen und dient zu alltäglichen Gottesdiensten. Das Holocaust-Denkmal wurde 1989 im Hintergarten der Synagoge in der Dohány Strasse, unmittelbar über ein Massengrab aus 1944-45 errichtet. Auf die einzelnen Blätter des metallenen Weidenbaums wurde jeweils der Name eines Märtyrers eingraviert.

 

Klicken Sie hier den kurzen Film über die Synagoge anzusehen!


HALBTAGSSPAZIERGANG IN DER ELISABETHSTADT
Verkehr: zu Fuß

 

Das Jüdische Museum (VII. Dohány utca 2.) befindet sich links der großen Synagoge, in einem Gebäude aus dem Jahr 1932. Die Museumsschätze haben die Stürme des 2. Weltkriegs im Keller des Nationalmuseums überstanden.
"Status Quo" Synagoge (VII. Rumbach Sebestyén u. 11.) Ein Bauwerk aus der frühen Schaffenszeit des berühmten Wiener Architekten, Otto Wagner. Hinter dem traditionellen Gebäudeäußeren verbirgt sich eine moderne Gusseisenkonstruktion. 
Orthodox Synagoge (VII. Kazinczy utca 29-31.) Interessanterweise ließen gerade die Konservativsten der Gemeinde ein überaus modernes Gebäude zu ihrer Zeit errichten. Die Synagoge passt sich der Strasse, die an dieser Stelle anbricht, genau an.
Rituelles Bad - mikve) (VII. Kazinczy utca 16.)
Der einzige rituelle Badeort in Budapest, wo den religiösen Vorschriften streng entsprechend ’lebendiges Wasser’ (Wasser  natürlichen Ursprungs, kein Leitungswasser) genutzt wird.
Hanna Restaurant (Dob utca 35.)
Das koschere Restaurant verleiht dem Bezirk interessante Farbe. Es befindet sich eigentlich im Hof der Synagoge in der Kazinczy Strasse, doch den Eingang müssen wir von einer anderen Strasse aus suchen.
Kádár Kosthaus (VII. Klauzál tér 9.) Kleine, traditionelle Gaststätte, wo sich Fremde an den wenigen Tischen dort zueinander gesellen. Auf den Tischen stehen Sodaflaschen, auf der Speisekarte finden wir stets ’Schohlet’. Ein bedeutendes  gastronomisches Überbleibsel aus dem alten Pest.
Frőlich Konditorei (VII. Dob utca 22.) Wir finden hier eine komplette Auswahl an jüdischem Feingebäck, mitunter den ’Flodni’. Seit kurzem sind auch Zeitschriften hier erhältlich.

 

Rast, Mittagessen: Spinoza Haus (VII. Dob utca 15.)


WEITERE SEHENSWÜRDIGKEITEN

 

Holocaust Gedenkstätte   (IX. Páva utca 39. www.hdke.hu)
Verkehr: Metro, bis Ferenc körút.

Der außergewöhnliche Gebäudekomplex besteht aus der Synagoge, die für Museumszwecke  renoviert wurde, und aus einem Neubauflügel. Die Gedenkstätte wurde im Jahr 2004, zum 60. Jahrestag des Holocausts eröffnet. Die Einrichtung betätigt sich mit Forschung, Sammel- und pädagogischer Arbeit. Hier wurde auch die Gedenkmauer für die Opfer errichtet, auf die allmählich alle Namen der ungarischen Opfer angebracht und verewigt werden. Die Zahl der Opfer  übersteigt die halbe Million.
Jüdischer Friedhof (X. Kozma utca 6.) Der Friedhof (seit 1893)  gibt  einen interessanten Eindruck von der Architektur um die Jahrhundertwende. Wir finden hier herausragende Denkmäler des Jugendstils, wie z.B. die Grabmäler der Familien Schmidl und Wellisch.
Ehemaliges Jüdisches Gymnasium (XIV. Cházár András u. 10.) Die Schule –heute mit 12 Jahrgängen- wurde 1934 nach modernsten Prinzipien am Rande des Stadtwäldchens gebaut. Sie trägt den Namen des großen (sich für katholischen Ungar gehaltenen) Poeten  jüdischer Abstammung,  Miklós Radnóti. 
Synagoge zu Óbuda (III. Lajos utca 163.) — Im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts lebte eine große jüdische Gemeinde in Óbuda (damals: Altofen).  Die Synagoge wurde 1821in klassizistischem Stil erbaut. Heute finden wir ein Fernsehstudio hier.
Zweites Denkmahl von Raoul Wallenberg in Buda (II., Ecke Szilágyi Erzsébet Allee u. Nagyajtai u.) Die Statue des  schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, dem Retter tausender von Juden im Zweiten Weltkrieg, wurde als Werk von Imre Varga 1987 errichtet. Die Bronzestatue steht zwischen zwei Felsenmauern, im Hintergrund ist das eingemeißelte Bild eines Mannes zu sehen, der mit Schlangen ringt.
Lauder Javne Schule (XII. Budakeszi út 48.) Das moderne Gebäude der weltlichen Schule wurde 1996,  nach Entwürfen von Csaba Virág erbaut. Im Name der Institution finden wir den des Gründers Ronald S. Lauder, sowie den Stadtnamen Javne. (Nachdem das Heiligtum zur Zeiten Kaisers Vespasian zerstört worden war, wurde Javne das geistlich-kulturelle Zentrum für Juden).

Rast, Mittagessen/Abendessen: Carmel Keller (VII. Kazinczy utca 31.)

 

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